In vielen Bereichen der modernen Medizin wurden in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte erzielt und unser Gesundheitssystem wird von vielen engagierten Menschen getragen, die ihren Beruf aus Überzeugung ausüben. Doch bei allem Engagement sind auch ihnen vielfach die Hände gebunden, weil sie sich in ein kosten- und leistungsorientiertes System einfügen müssen, das ihnen immer weniger Spielraum lässt. Und genau an diesem Punkt sollte man sich einmal Gedanken darüber machen, ob ein so hohes Gut wie die Gesundheit der Menschen von Profitinteressen privatwirtschaftlicher Unternehmen abhängig sein darf. Unser marodes Gesundheitssystem mit seinen undurchschaubaren Strukturen ist selbst krank und wird immer mehr zu einem Selbstbedienungsladen mächtiger und einflussreicher Lobbygruppen.
In Hochglanzanzeigen und aufwändigen Werbespots werden uns die neuesten Forschungsergebnisse von Experten der Pharmaunternehmen vorgestellt, die für jedes noch so kleine Wehwehchen ein Mittelchen parat haben. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie hoch der Werbeanteil für Pharmaprodukte in einem einzigen Werbeblock der TV-Werbung ist oder wie oft in Zeitungen und Zeitschriften für Medikamente und Gesundheitsprodukte geworben wird? Die Pharmakonzerne geben jedes Jahr Milliardenbeträge für ihre Werbemaßnahmen aus, die in die Medikamentenpreise selbstverständlich mit eingerechnet werden und die wir mit unseren Beiträgen zur Krankenversicherung zwangsläufig mitfinanzieren müssen.
Es ist auch kein Geheimnis mehr, dass Pharmakonzerne und Unternehmen der Gesundheitsindustrie viel Geld dafür ausgeben, um Ärzte dazu zu bringen, speziell ihre Medikamente zu verschreiben, dass Forscher oder Kliniken über lukrative Beraterverträge finanzielle Zuwendungen erhalten, dass neue Krankheiten am grünen Tisch erfunden werden um künstlich einen Absatzmarkt für bestimmte Medikamente zu schaffen oder neue Medikamente auf den Markt kommen, deren Langzeitwirkung noch nicht ausreichend erprobt wurde. Auch das finanzieren wir über die Medikamentenpreise mit.
Inzwischen sind einige Insider der Pharmabranche an die Öffentlichkeit gegangen, die in führenden Positionen innerhalb der Pharmakonzerne gearbeitet haben und an einem Punkt angekommen sind, an dem sie die skrupellosen und unethischen Geschäftspraktiken ihrer Arbeitgeber nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten. Sie berichten von Betrug, Manipulation, Korruption und von Unternehmen, die aus Profitgier auch Todesfälle bewusst in Kauf nehmen. Dabei handelt es sich leider nicht um Einzelfälle, sondern um ein über viele Jahrzehnte sorgsam aufgebautes System, das sich nur ungern in die Karten blicken lässt. Wer gegen die Regeln verstößt und die Öffentlichkeit aufklärt, muss damit rechnen beruflich diskreditiert, in seiner Existenz vernichtet und persönlich bedroht zu werden.
Nicht nur im Gesundheitsbereich hat der Einfluss von Lobbyisten auf politische Entscheidungen stark zugenommen. Immer mehr Menschen habe das Gefühl, dass Politiker häufig nur noch Marionetten oder Erfüllungsgehilfen für wirtschaftliche Interessengruppen sind und sich von den Bürgern immer weiter entfernen. Dringend erforderliche Reformen unseres Gesundheitssystems werden durch den politischen Einfluss der Pharma- und Gesundheitskonzerne erfolgreich verhindert, die Jahr für Jahr Milliarden an unseren Krankheiten verdienen und als börsenorientierte Wirtschaftsunternehmen auch kein großes Interesse daran haben, dass sich hier etwas ändert. Diese Erfahrung musste auch der ehemalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer machen, dessen Aussage in dem folgenden Interview deutlich macht, wer in der deutschen Gesundheitspolitik den Ton angibt:
Unterstützung bekommen die Pharmakonzerne nicht nur von der Politik, sondern auch von der Nahrungsmittelindustrie, die in Berlin und Brüssel mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür kämpft, dass z. B. unsere Nahrungsmittel immer mehr mit Gentechnik oder chemischen Zusatzstoffen verändert werden dürfen. Sie argumentieren mit Vorteilen für die Verbraucher und lassen von sogenannten Experten (auch Mietmäuler genannt) die gesundheitliche Unbedenklichkeit bestätigen. Doch in Wirklichkeit geht es auch hier nur um den Profit und man könnte den Eindruck gewinnen, dass Gesundheitsrisiken nicht nur bewusst in Kauf genommen werden, sondern damit auch die Voraussetzungen für die Krankheiten der Zukunft geschaffen werden.
Wenn man es einmal ganz nüchtern aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet, können börsenorientierte und ihren Aktionären verpflichtete Konzerne der Pharma- und Gesundheitsindustrie überhaupt kein Interesse daran haben, dass möglichst viele Menschen gesundheitsbewusst leben, sich alternativen, ganzheitlich orientierten Behandlungsmethoden zuwenden und die Heilkraft der Natur entdecken. Wir alle wissen doch, dass Pharmaunternehmen keine Wohlfahrtsorganisationen sind und es bei allem was sie tun in erster Linie um geschäftliche Interessen geht. Unser Gesundheitssystem ist nach dem folgenden, für jeden zu verstehenden Prinzip aufgebaut:


Eugen Roth
... die schlachtet man nicht. Was muss man also tun, damit wir nicht auf die Idee kommen nach Alternativen zu suchen und um zu verhindern, dass sich viel mehr Menschen für Naturheilkunde und die in diesem Bereich als Heilpraktiker/in, Heiler/in, Gesundheits- oder Lebensberater/in tätigen Menschen interessieren? Wie kann man verhindern, dass viel mehr Menschen die Möglichkeiten kennenlernen, wie man sich aus dem Hamsterrad aus Ängsten, Abhängigkeiten und Zwängen befreien kann und wie man die Verantwortung für die eigene Gesundheit und die persönlichen Lebensumstände wieder selbst in die Hand nimmt? Man sorgt dafür, dass in den Massenmedien immer wieder negativ über alternative, ganzheitliche Behandlungsmethoden, über Geistheilung, Selbstheilungskräfte oder spirituelle Themen berichtet wird. Es muss nur oft genug wiederholt werden und für viele Menschen ist das dann der Beweis, dass es genau so ist. Leider lassen sich immer noch viele Menschen in ihrer Meinungsbildung von außen beeinflussen und bilden sich ihre Meinung ausschließlich auf Grund dessen, was ihnen andere erzählen. Um zu verstehen warum das so ist, muss man sich einmal bewusst machen, mit welchen subtilen Methoden unsere Meinungsbildung beeinflusst wird.